0:2 – Oder: Was uns ein Fußballspiel lehren kann

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0:2 – Oder: Was uns ein Fußballspiel lehren kann

Am 14. Juni 2016 startete unsere Nationalmannschaft in Frankreich in die Fußball-Europameisterschaft gegen Ungarn.

Nach der erstmals gelungenen sportlichen Qualifikation zu einer Europameisterschaft, waren die Erwartungen und die Vorfreude von Millionen von ÖsterreicherInnen riesengroß.

fussball2016Das Spiel ging leider 0:2 verloren, Zlatko Junuzović wurde – hoffentlich nicht zu schwer – am Knöchel verletzt und Aleksandar Dragović wurde nach Foulspiel mit gelb–roter Karte vom Platz gestellt. Alles in allem war es eine überschaubare Leistung unserer Nationalmannschaft, gegen den vermeintlich schwächsten Gegner in unserer Gruppe. Keiner unserer Spieler konnte auch nur ansatzweise an die Leistungen aus der Qualifikation anschließen.

Die Erwartungshaltung wurde nicht erfüllt, die Enttäuschung ist groß. Nicht nur das, sondern auch der Schiedsrichter war uns nicht wohlgesonnen, zum Beispiel war das Foulspiel von Dragović nicht gelbwürdig.

David Alaba hatte Pech, als er nach ca. 30 Sekunden nur die Stange traf. Der Ausfall von Junuzović war nicht zu verschmerzen. Der Aufstieg in die KO–Phase ist damit in weite Ferne gerückt. Leider. Schon wieder.

Der Leistungsdruck schien die Spieler im Abruf Ihrer Leistung blockiert, der „unglückliche“ Start die Nervosität weiter geschürt zu haben. Von aussen betrachtet, agierten die Beteiligten im Distress–Bereich, das ist das leistungshemmende, zu hohe Stresslevel. In diesem Bereich sind das analytische Denken und die Koordination eingeschränkt und der Muskeltonus zu hoch, um die optimale Leistung abrufen zu können.

Die „Opferrolle“ war den Spielern, nach dem Platzverweis, in Ihrer Körpersprache deutlich anzumerken. Die sogenannte „Opferrolle im Sport“ meint hier:

„Ich kann nichts dafür, der Schiedsrichter ist schuld“, „Wenn der Schuss reingegangen wäre, dann hätten wir….“,  etc..

Die Schuld an der „schlechten“ Leistung wird vom Einzelnen auf andere, meist unkontrollierbare, Faktoren „abgeschoben“, um das eigene Ego nicht weiter zu belasten. Alles in allem verunmöglichte diese Gesamtsituation eine erwartet gute Leistung.

In unserem täglichen Leben, sei es privat, beruflich oder im Sport, stoßen wir immer wieder auf ebensolche Situationen. Wir sind mit einer Anforderung überfordert, können die Erwartung (meist die eigene) nicht erfüllen, oder glauben dies zumindest. Die Resultate sind dann auch meist überschaubar, weil es einfach in dieser Kostitution nicht anders möglich ist. Der Stresslevel ist zu hoch, alle schon beschriebenen Faktoren werden schlagend. Enttäuschung stellt sich dann naturgegeben ein.

Wie können wir hier entgegenwirken?

Logo_Inwendig_komprimiert_V1Der erste und allerwichtigste Faktor ist, das Stresslevel zu senken.

Dies kann zum Beispiel durch gezieltes Atmen (Bauchatmung) erreicht werden. Das parasympathische Nervensystem wird gestärkt, wir werden ruhiger, können wieder logisch und faktisch denken, der Muskeltonus normalisiert sich.  Hier gibt es eine Vielzahl an Übungen, die auf die Stärkung des Parasympathikus abzielen.

Raum schaffen: Im Normalfall reagieren wir auf einen Reiz automatisiert, weil unser Gehirn auf oft verwendete Muster zurückgreift.

Das muss aber nicht immer zwingend richtig, oder die beste Alternative sein. Wenn uns nun klar wird, dass es zu einem stressauslösenden Reiz gekommen ist, dann sind wir in der Lage diese Erkenntnis zu nutzen – den Raum zu schaffen – um hier einzugreifen.

Dies kann durch sogenanntes „Reframing“, „Kontexterweiterung“ etc. erreicht werden. Dieser „Raum“ den wir vorher zwischen Reiz und Reaktion nicht hatten, eröffnet uns die Möglichkeit die Situation neu zu bewerten und eben nicht mehr automatisiert  – und somit für uns und die Beteiligten suboptimal – zu reagieren.

Erwartungshaltung entfernen: Nur die Erwartungshaltung legt den Grundstein für mögliche Enttäuschungen. Dieses Thema würde diesen Beitrag bei weitem sprengen, hier nur soviel: Wenn wir uns nichts erwarten, dann können wir auch nicht enttäuscht werden. Das Tun der Sache an sich sollte genug sein, der Spaß an der Tätigkeit unser Antrieb.

DieterSesselSchatten

All das kann uns ein verlorengegangenes Fußballspiel lehren.

Für weitere Informationen zum Umgang mit Stress können Sie mich jederzeit gerne unter kontakt@inwendig.at erreichen.

In diesem Sinne alles Gute.


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